29.03.2019  | 
CVJM-Jugendhaus Wriezen

aufeinander achtgeben - in der Jungen Gemeinde in Wriezen

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„Nicht alleine, sondern gemeinsam unterstützen wir uns in der Küche beim Zubereiten des Abendessens“, so hieß es direkt zu Beginn der Jungen Gemeinde am Freitag, den 29. März 2019 im Wriezener Jugendhaus. Dabei bereiteten elf Jugendliche und junge Erwachsene die einzelnen Zutaten für selbst gemachten Burger zu, während andere bereits den Tisch deckten.

So war es schön anzusehen, wie die Jugendlichen sich an den Tisch setzten und sich auf das selbst zu bereitete Essen warteten, welches sie wenige Minuten später in kleinen Gesprächen über die Erlebnisse der vergangenen Woche, verspeisten. Gleich darauf wünschte sich auch schon der Freiwilligendienstleistende Moritz Fischer den ersten Liedwunsch „No longer slaves“, den wir mit weiteren Songs gemeinsam sangen.

Zu zählen ist nicht einfach

Da begann Mark Steiner auch schon an zu zählen und Marcel fügte direkt hinzu „Das ist genau richtig, wir wollen jetzt gemeinsam – wie damals in der ersten Klasse – Zählen lernen.“ Worauf die Jugendlichen etwas belächelnd zuhörten, da dies ja nicht so schwierig sein konnte. Die Jugendlichen sollten von 1 bis 20 bei geschlossenen Augen durcheinander zählen. Jedoch war es nicht so einfach wie sie dachten, da sehr schnell zwei Jugendliche gleichzeitig, die gleiche Zahl wie „7“ sagten. Bei vielerlei Lachen und kleinen ungeduldigen Momenten schafften die Jugendlichen es gemeinsam, nach unzähligen Versuchen, bis zwanzig zu zählen.

Aus dem Alltag: „Mir geht es immer gut!“

Marcel erzählte eine kleine Geschichte aus dem Alltag, die die Jugendlichen sehr gut kennen:

„Ich gehe auf der Straße entlang, in den Supermarkt, gehe mit Freunden ins Kino oder koche mit ihnen. Wir chillen einfach mal nach der Schule oder Arbeit zusammen. Und dennoch ist mein Tag anstrengend. Mir geht’s bei der Frage „Wie geht’s?“ natürlich immer blendend und sobald man mich fragt, sage ich immer zu allem Ja. Doch immer mal wieder überrumpelt mich der Alltag, er überanstrengt mich und frisst mich immer mal ein Stück auf. Ich habe eigentlich keine Zeit oder keine Lust oder brauche Ruhe. Eigentlich muss ich lernen, den Haushalt schmeißen und doch lenke ich mich mit anderen Sachen ab.“

Auf eine von Marcel kurz gestellte Frage „Wieso antworten wir immer mit „Mir geht’s gut“ auf die Frage Wie geht es dir?“ kamen immer wieder die gleich lautenden Antworten, dass die Jugendlichen nicht wirklich über ihre Gefühlswelt, ihre Missstände oder ihr Leben so wirklich reden wollen oder immer öfter Mitläufer der Gesellschaft sind, in denen sie leben, anstatt sich zu öffnen.

Wir sind nicht alleine auf der Welt

Marcel berichtete, wie sehr doch der Alltag dem Menschen einholt. Wie beim gemeinsamen „Zählen“ sehen oder vielmehr hören die Jugendlichen, dass sie nicht alleine sind. Es gibt noch andere Menschen in ihrem Leben. Neben ihrer eigenen Person existieren noch Freunde, Familie, Verwandte sowie weitere Bekannte und wie in dem Spiel war es wichtig aufeinander zu hören, aufeinander acht zu geben, sodass nicht jeder sein eigenes Ding durchzieht.

Im Schulunterricht, beim Sport, bei der Arbeit, im Verein oder auch in der Familie kommt es immer wieder vor, so auch beim Fußball spielen, dass mehrere Spieler gemeinsam gegen eine andere Mannschaft antreten und ein Spieler nicht alles egoistisch alleine machen kann oder wie bei der Feuerwehr, in der sie als Team bei Unfällen oder Bränden gemeinsam antreten, um zu helfen.

Bei Freunden ist es sehr stark spürbar, dass nicht eine Person alles entscheiden kann, was die anderen nun anstellen. Dort sind die Menschen in kleineren oder größeren Gemeinschaften und können nicht machen, was sie wollen. Es gibt immer Menschen, denen man wichtig ist, die man braucht und die man durch das Verhalten, Nicht-Verhalten oder durch Worte und Handeln verletzen kann.

Gemeinsam löschen wir Brände – in unseren Herzen

Marcel fügt in seiner Andacht an, dass es wie bei einem Gang durch ein Tunnel bei der Frage „Wie geht’s`?“ ist. „Wir laufen durch den Tunnel, der unser Alltag abbildet, und wir vergessen regelrecht, was um uns herum geschieht. Wir nehmen nicht mehr unsere Umwelt richtig wahr, wir verschließen uns vor ihr.“ Freundschaften, Nachbarn, Klassenkameraden oder Kollegen, bei denen die Jugendlichen sehen und fest merken, dass es ihnen nicht gut gehe, fragen nicht mehr, ob was nicht stimme, da Jugendliche wie bei einer wiederkehrend abspielenden Sprachmemo „Mir geht’s gut!“ von sich geben. Das eigene Gefühl sagt jedoch was anderes.

„Daher ist es wichtig, dass wir anderen Menschen unterstützen und auf sie aufpassen, auf sie achtgeben, egal ob wir sie gut oder schlecht kennen“, ergänzt Marcel weiter, „uns kostet es viel Überwindung auf andere zuzugehen und sie in ihrem Leben oder ihrer alltäglichen Situation zu unterstützen, doch verlieren können wir nichts. Wir gewinnen an Mut, Freundschaften und Bereitschaft. Wir löschen damit Brände in unseren Herzen.“

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst

Viele sind in ihrem Alltag genervt und wollen nicht von Missständen hören, in der sich Menschen alleine machtlos fühlen. Dagegen sollten sich die Menschen gegenseitig unterstützen und gegen die Missstände ankämpfen, egal ob es nur das beibringen von Skateboard fahren, Games oder beim Unterstützen der eigenen Fitness ist. Schwächen können im gegenseitigen Unterstützen zu einer Stärke gemacht werden. So heißt es etwa im Matthäus Evangelium „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (Matthäus 22,39)“, was nichts anderes bedeutet, respektvoll miteinander umzugehen und sich gegenseitig kennenzulernen, sich zu vergeben und aufeinander aufzupassen.

„Wenn wir alle uns unterstützen und aufeinander aufpassen, wir unsere Herzen öffnen, dann haben wir eine Chance gemeinsam für unsere Zukunft einzutreten“, beendet Marcel seine Andacht.

Aktualisiert durch: Marcel Schröder